Von einem Neugeborenen in der westlichen Welt gibt es nach 1 Jahr mehr Bilder als von einem Menschen, der 2007 gestorben ist.

SZ, Ausgabe Nr. 4 2018

Von einem Neugeborenen in der westlichen Welt gibt es nach 1 Jahr mehr Bilder als von einem Menschen, der 2007 gestorben ist.

SZ, Ausgabe Nr. 4 2018

Jeden Tag werden 80 Millionen Fotos ins Netz gestellt und das allein auf Instagram. Warum jedes Foto seine Berechtigung hat.

In ihrem Artikel „Klick!“ führt die Süddeutsche Zeitung im Januar 2018 an, dass es seit Erscheinen des Iphones von einem Neugeborenen in der westlichen Welt nach einem Jahr mehr Fotos gibt als von einem Menschen, der davor gestorben ist. Eine beeindruckende Aussage, zeigt sie doch, wie sich die Fotografie durch die Digitalisierung verändert hat. Das Iphone hat den Durchbruch zur Jedermannsfotografie gebracht. 80 Millionen Bilder werden laut Hootsuit weltweit täglich auf Instagram hochgeladen. Viele davon sind Datenmüll, Bilder verbrauchen sich zu schnell, findet die SZ. Die Fotografiekunst seit dem neuen Jahrtausend im freien Fall.

Jeden Tag werden 80 Millionen Fotos ins Netz gestellt und das allein auf Instagram. Warum jedes Foto seine Berechtigung hat.

In ihrem Artikel „Klick!“ führt die Süddeutsche Zeitung im Januar 2018 an, dass es seit Erscheinen des Iphones von einem Neugeborenen in der westlichen Welt nach einem Jahr mehr Fotos gibt als von einem Menschen, der davor gestorben ist. Eine beeindruckende Aussage, zeigt sie doch, wie sich die Fotografie durch die Digitalisierung verändert hat. Das Iphone hat den Durchbruch zur Jedermannsfotografie gebracht. 80 Millionen Bilder werden laut Hootsuit weltweit täglich auf Instagram hochgeladen. Viele davon sind Datenmüll, Bilder verbrauchen sich zu schnell, findet die SZ. Die Fotografiekunst seit dem neuen Jahrtausend im freien Fall.

Alle schimpfen über die Bilderflut – aber warum eigentlich?

Heutzutage ist es jedem möglich, sich der Fotografierkunst zu nähern. Man kann so viel üben, wie man möchte, weil der digitale Film niemals endet. Seit 2007 das erste Iphone auf den Markt kam, hat die Bilderflut im Netz einen Höhenflug angetreten, der stetig ansteigt. Haben Fotos durch die Masse an Wert verloren?

hermes rivera 253622

Ach du meine Güte, so eine Bildermassen! Na und? Ich finde es großartig, dass inzwischen so viele Menschen an der Welt der Bilder teilhaben und ihre Erinnerungen auf diese Weise verwahren können. Es ist ein Privileg, wenn wir unseren Kindern später zeigen können, was wir mit ihnen erlebt haben. In vielen Teilen der Welt besitzen Eltern weder einen Fotoapparat noch ein Tagebuch, um ihr Glück und ihre Sorgen festzuhalten. 

Die Vielzahl an schlechten Fotos ärgert so manch einen noch mehr als die Masse an sich, die sekündlich in den öffentlichen Medien landen. Aber wer zwingt die Meckerer, sich diese Fotos anzusehen? Nicht einmal ein Tausendstel aller heutzutage geschossener Fotos ist Kunst. Aber es hat auch nicht jeder den Anspruch, ein Künstler zu sein. Das bedeutet nicht, dass die Fotografie als Kunst wertlos geworden ist.

Es bedeutet, dass in diesen Tagen viele Menschen in unserem und anderen Weltteilen das Bedürfnis verspüren, sich zu zeigen, sich darzustellen oder einfach dabei zu sein (die gab es früher sicher auch, sie waren nur nicht sichtbar). Es bedeutet, dass die Menschen sich ausprobieren möchten, die technischen Errungenschaften genießen und Freude daran haben, ihr Leben visuell einzufangen, egal, wie wenig wertvoll die Bilder aus Sicht eines professionellen Fotografen sein mögen (ist das nicht legitim?). Es bedeutet, dass in unserer schnelllebigen Welt das Bedürfnis wächst, Erinnerungen festzuhalten. Die Fotografiererei ist der Gegenpol zur Flüchtigkeit des Moments.

Eltern sind die eifrigsten Fotografen

janko ferlic 152866

Als ich in den „Klick!“-Artikel in der SZ las, wollte ich es wissen: Wie viele Fotos haben wir von unserem Kind in seinem ersten Lebensjahr geschossen? Unglaublich viele, da war ich mir sicher. Wir stammen beide aus Familien, in denen Fotografie schon eine Leidenschaft war, als man noch mit sechs Filmen in den Urlaub fuhr, sich dabei verschwenderisch fühlte (aber hey, im Urlaub muss man sich etwas gönnen) und gleichzeitig bei jedem Foto hoffte, dass es gut genug geworden war, dass man sich nicht über den Preis der Abzüge ärgern musste. Ich habe selbst noch im Kunstunterricht in der Dunkelkammer gearbeitet und dabei das Material meines Papas benutzt. Ich liebe es bis heute zu fotografieren und genauso, Bilder zu bearbeiten. Wenn also jemand viele Babyfotos hat, dann wir. Ich habe es recherchiert: Unglaublich viele lässt sich beziffern von 3423 Fotos haben es 474 in die nähere Auswahl für unseren Babyblog geschafft.

Der Alltag kann ein Wunder sein, und das Foto hält es fest.

rawpixel com 395551

Yo. Die Zahl ist eine Ansage. Aber macht die Anzahl meine Fotos wertlos? Nein, denn ich liebe jedes einzelne, weil es meine Erinnerungen an eine überwältigende, wenn nicht DIE überwältigenste Zeit in meinem Leben festhält. Gerade alltäglichen Momente, die man schon viele Male zu zweit erlebt hat, haftet etwas Surreales an, wenn plötzlich eine kleine dritte Person dabei sitzt. Morgens Müsli löffeln, Skier anschnallen, beim Picknick auf der Decke liegen … Immer wieder poppt der Gedanke auf, wie witzig es ist, dass da „plötzlich“ noch jemand ist. Und dieses Wunder möchte ich festhalten, immer und immer wieder, ob es Kunst ist oder nicht, um es mir (im wortwörtlichen Sinne) vor Augen zu führen und niemals den Glauben an das Wunderbare zu verlieren. Egal, wie viel Millionen Bilder täglich im Netz landen, jedes hat seine Berechtigung. Jedes hat für seinen Fotografen einen Wert.

Gut? Mehr!

Hat dir der Artikel gefallen? Wenn du uns per E-Mail folgst, senden wir dir eine Nachricht, wenn wir etwas Neues geschrieben haben. Klingt gut? Dann sei dabei!

Folge uns per E-Mail