Wie wir unseren Kindern Erinnerungen voll Magie schenken

Wie wir unseren Kindern Erinnerungen voll Magie schenken

Die ersten Jahre mit Kind sind etwas ganz Besonderes. Doch was weiß unser Kind später davon noch?

Wie wir großartige Momente schenken, die (hoffentlich) im Gedächtnis bleiben.

Die Kerze brennt am Geburtstagszug. Kuchenduft und Aufregung hängen in der Luft. Ein Jahr ist unser kleiner Schatz heute auf der Welt!

audrey fretz 497611 unsplash

Nicht nur er ist aufgekratzt, wir alle sind es. Oma, Opa, Geschwister und wir als Eltern natürlich. Der erste Geburtstag ist etwas ganz besonderes.

Wir schwelgen gerade in Erinnerungen an die ersten Tage nach der Geburt, da wagt unser Sohn plötzlich vor versammelter Mannschaft seine ersten freihändigen Schritte. Als hätte er auf diesen Tag gewartet! Wir machen Fotos, klatschen, sind begeistert. Unser Kleiner quietscht vor Freude, er spürt, dass er im Mittelpunkt steht.

Ob er sich später daran erinnern wird?

Wie unser Gedächtnis selektiert

An Momente im Kindesalter, die mit besonders intensiven Emotionen verbunden sind, erinnern wir uns später mit größerer Wahrscheinlichkeit, als an banale Momente. Situationen, die vom Alltag abweichen, bergen daher schon bei Kleinstkindern ein hohes Potential, einen neuronalen Abdruck im Gedächtnis des Kindes zu hinterlassen. Dieser Abdruck ist kein klares, abrufbares Bild, wie es bei einer Erinnerung im Erwachsenenalter der Fall wäre, sondern ein unbestimmtes Gefühl.

Erinnerungen werden umso stärker gefestigt, je weit verzweigter die neuronalen Verknüpfungen sind, die beim Erleben des jeweiligen Augenblicks gebildet werden. Diese synaptischen Verbindungen werden zum Beispiel durch das Ausschütten von Glückshormonen begünstigt.

Bei einer Konferenz hatte ich die Gelegenheit, den Hirnforscher Dr. Gerald Hüther kennenzulernen, der sich intensiv mit Erinnerungs- und Lernprozessen in der kindlichen Entwicklung beschäftigt hat. Er sagte, bei vielen jungen Menschen würden neue neuronale Verknüpfungen im Gehirn entstehen, wenn sie ihr Handy benutzten, weil es sie begeistern würde. Bei ihm hingegen würde man dabei keine neuen Verbindungen feststellen können, dafür bei vielen anderen Dingen, an denen er sich erfreut. Bei Kleinkindern mag dies der Besuch bei den Großeltern oder im Schwimmbad sein.

thiago cerqueira 191866 unsplash
Intensive Gefühlsmomente, Pioniererfahrungen und Erlebnisse, die mit vielen Sinnen gleichzeitig erfasst werden, erinnern Kinder am besten.

Laut des Forschers Douwe Draaisma aus den Niederland, so die ZEIT in einem Artikel über Erinnerungen, werden vor allem „Pioniererfahrungen“ abgespeichert, von denen rund 70% im ersten Lebensdrittel liegen. Deswegen kommt uns diese Zeit rückblickend so lange vor: Sie scheint voll von Erlebnissen zu sein. Im letzten Lebensdrittel kommt nicht mehr viel Neues hinzu, das uns derart beeindruckt, dass es einen Gedächtnisabdruck hinterlässt.

Die Verknüpfungen, die im Gehirn stattfinden müssen, damit eine Erinnerung angespeichert wird, gelingt umso besser, je mehr Sinne zum Einsatz kommen. Am besten werden Situationen verankert, die wir zusätzlich zum Hör-, Seh- oder Tastsinn mit unserem Geschmacks- oder Geruchssinn erfassen.

Was sind eigentlich Erinnerungen?

In Meyers Lexikon heißt es: Erinnerung ist das mentale Wiedererleben früherer Erlebnisse und Erfahrungen. Anregender finde ich die Definition im Duden: Der Besitz aller bisher aufgenommenen Eindrücke. Besitz ist in dem Zusammenhang ein großartig gewähltes Wort, denn unsere Erinnerungen gehören uns, für immer. Niemand kann sie uns nehmen.

Die ZEIT definiert: „Die psychische Mechanik des Erinnerns ist derart komplex, dass darin so gut wie alles spezifisch Menschliche involviert und aneinandergekoppelt ist: Emotion, Bewusstsein, Geist, Verstand, Poesie. Erinnerung ist nicht einfach gleichzusetzen mit Gedächtnis, obwohl Erinnerung und Gedächtnis sich nicht trennen lassen. Erinnern ist vielmehr das Plündern des Gedächtnisses als Tätigkeit des Geistes mithilfe des Gehirns.“

priscilla du preez 229302 unsplash
Erinnerungen sind Klänge, Farben und Bildsequenzen, die das Gedächtnis mit einer Emotion verbindet und abspeichert. Meist geschieht dies unbewusst.

Erinnerungen können spontan entstehen oder bewusst herbeigeführt werden, sind verdrängbar und wieder aufrufbar. Sie können verwirren, trügen, trösten. Sie sind ein Teil von uns.

Warum ist es uns so wichtig, uns an früher zu erinnern?

Am Tag nach dem Kindergeburtstag will ich von meinem Vater wissen, wann ich angefangen habe zu laufen. War ich so alt wie mein Sohn, älter oder jünger? Mein Vater überlegt. „So um denselben Dreh, glaube ich. Ihr wart alle weder besonders früh noch spät dran.“ Hm. Diese Antwort befriedigt mich nicht, aber ich habe niemand anders, den ich fragen kann. Ist es denn wichtig, das zu wissen? Für niemand anders spielt es eine Rolle, aber ich empfinde es als schade, dass diese Erinnerungen verloren für immer verloren sind.

Vielleicht ist es mein Bewusstsein um die verlorenen Erinnerungen, die meine Passion für dieses Thema anstacheln. Seit unser kleiner Schatz das Licht der Welt erblickt hat, möchte ich so viele Augenblicke wie möglich festhalten, um sie ihm eines Tages zu schenken. Ich möchte, dass er später sehen kann, wie glücklich wir mit ihm sind.

Erinnerungen sind aber auch deswegen so bedeutsam, weil sie ein Teil unserer Persönlichkeit sind.

„Ohne Erinnerung ist eine persönliche Identität nicht möglich“, schreibt Christian Schüledes in der ZEIT.

War ich ein Kind, das zielstrebig den Berg erklommen hat oder war für mich jedes Gänseblümchen interessant? Hatte ich als kleines Mädchen so viel Energie wie mein Sohn oder habe ich verträumt durchs Fenster geblickt? Vieles weiß mein Vater noch, anderes verblasst so weit, so dass nicht mehr zu erkennen ist, ob jemand anderes aus der Familie dieselbe Geschichte erzählt hätte. Aber okay – das Erleben einer Situation ist ohnehin subjektiv. Jeder filtert anders, basierend auf seinen individuellen Erfahrungen. Deswegen geraten manche Menschen in Streit darüber, wie ein Ereignis in der Vergangenheit abgelaufen ist und deswegen kann man niemals vorhersagen, was hängen bleibt. Nicht jeder hat das Glück, überhaupt eine Person zu haben, die einem von der Kindheit erzählt.

orange woman singles awareness day social media graphic

Die erinnerten Bruchstücke tragen zu unserer Identitätsbildung bei, formen, wie wir über uns denken, wie wir empfinden und reagieren. Wir tragen eine Vergangenheit in uns, ob wir sie benennen können oder nicht, und wenn sie jemand für uns anhand von Bildern und Erzählungen lebendig machen kann, erfahren wir etwas über unsere Wurzeln.

Erinnerungen sind keine Fotos, sondern Filme, die man neu schneiden kann

Mein Vater hat schon immer gerne fotografiert und von mir gibt es massig Fotos, die meine Mutter mit Notizen versehen in eines dieser dicken Album geklebt hat, in dem Fotos durch Pergamentpapier vor dem Verkleben geschützt werden. Ein tolles Album, eine wunderschöne Erinnerung.

Wenn ich hindurchblättere, weiß ich manchmal nicht, ob ich mich an bestimmte Situationen erinnere oder Bilder in mir lebendig werden, weil ich mir die Fotos so oft angesehen und meine Eltern mir dazu etwas erzählt haben. Der Hirnforscher Prof. Hans-Joachim Markowitsch der Universität Bielefeld schreibt in „Warum Menschen erinnern“, dass sich unser Unterbewusstsein etwas zusammenreimt, wenn es Situationen abspeichert.

louis blythe 218654 unsplash
Unser Unterbewusstsein reimt sich beim Abspeichern von Erlebtem eine Mischung aus Erlebtem und Erzähltem zusammen, daher ist jede Erinnerung individuell und einzigartig.

Weil Erinnerungen aus Erlebtem und Erzähltem bestehen, erinnert jeder eine Situation ein wenig anders. Dieser Aspekt spielt bei der Arbeit mit dem Unterbewussten eine Rolle, wie er in der Traumaarbeit oder im NLP-Coaching verwendet wird. Immer wieder fragen Coachees, ob diese oder jene Situation, die plötzlich als Bild in ihnen auftauchen, wirklich geschehen ist - manche davon reichen zurück bis zur Geburt. Man wird es nicht mehr herausfinden, lautet die Antwort auf diese Fragen, aber wir können sie jederzeit mit einer neuen Bedeutung versehen und so unsere einzigartige Schatzkiste voll Erinnerungen füllen.

Warum vergessen wir die ersten drei Lebensjahre?

Dreijährige erinnern sich an Situationen, die Monate zurückliegen, doch wenn sie älter werden, sind diese Erinnerungen gelöscht. An die ersten drei Lebensjahre kann man sich als Erwachsener nicht mehr erinnern.

Wenn die Psychologie von Kindheitsamnesie spricht, bedeutet das, dass unser Gehirn einen gewissen Reifegrad erreicht haben muss, um die Fähigkeit des Erinnerns umsetzen zu können.

Säuglinge erinnern sich reflexhaft ans Saugen, aber erst mit etwa drei Jahren, wenn ausreichend Nervenzellen in ihrem Gehirn herangewachsen sind, können komplexe Vorgänge fern von Überlebensautomatismen abgespeichert werden. Warum setzt das sogenannte autobiografische Gedächtnis erst in dem Alter ein?

In Alter von drei Jahren entwickeln Kinder eine Vorstellung von Zeit und damit von Vergangenheit entwickeln. Diese Fähigkeit läuft mit dem Vorstellungsvermögen davon einher, dass sie ein eigenständiges Wesen sind, das sich als Teil dieser Welt begreifen lernt und versteht, dass es selbst wahrnimmt.

Es ist das Alter, in dem Kinder Erfahrungen bewusst abspeichern können.

Die Sprache kommt, die Erinnerungen gehen

Wenn die Sprachentwicklung einsetzt, werden die unbewussten Erinnerungen verdrängt. Was sich Kinder in Gefühlen und Bildern bis zu ihrem etwa sechsten Lebensjahr merken, geht verloren.

grafik erinnerungsvermoegen kind

Eine meiner eigenen frühesten Erinnerungen ist der Moment, als mir bewusst wurde, dass ich lesen konnte. Ich saß im Klassenraum, starrte an die Tafel und spürte mein Herz gegen die Rippen schlagen, als ich verstand, dass sich mir eine neue Welt erschloss. Aber in dieser Zeit habe ich wohl viele andere Erlebnisse vergessen. Irgendwie traurig, aber dank der Sprache sind die Erinnerungen ab dem siebten Lebensjahr gefestigt und ausdrückbar.

Außerdem kann das autobiografische Gedächtnis gestärkt werden, in dem man schon mit kleinen Kindern detailliert über Vergangenes spricht, auch bevor es zu sprechen lernt. Durch diese Reflektion werden Strukturen im Gehirn gebildet, die wichtig für das Erinnerungsvermögen sind.

Welche Erinnerungen wollen wir unseren Kinder mitgeben?

Ein Aufwachsen in einem liebevollen Miteinander ermöglicht es unserem Kind, sich eine Kindheit voll Magie zu verwahren. Egal, wie verblasst die inneren Bilder schon sind, das Gefühl, mit dem wir an die Zeit zurückdenken, zählt.

annie spratt 446153 unsplash

Zu meinen liebsten Kindheitserinnerungen gehören die abendlichen Vorlesestunden. Astrid Lindgrens Bullerbü-Geschichten waren mir die liebsten, vielleicht, weil auch unsere Kindheitstage etwas büllerbühaftes hatte. Die Sandkasten-Nachmittage im Garten, das Versteckspielen zwischen den Dünen in den Dänemark-Urlauben, die vielen Spiele, die wir uns mit Kieseln und Stöcken ausgedacht haben.

Davon möchte ich später meinem Sohn erzählen und ihm die Abenteuer von Tjorven, Madita und Michel vorlesen. Auch heute lesen wir ihm etwas vor, aber noch sie die interaktiven tiptoi-Bücher interessanter, weil sie Geräusche von sich geben (und weil Papa Philipp, Gründer von Ich will ein Pony, die Kinderbücher mitentwickelt hat, besitzen wir eine beachtliche Auswahl, an der sich unser Sohn erfreuen kann …). Aber eines Tages wird er Bullerbü kennenlernen und auch wenn unsere Erinnerungen nicht zu seinen Erinnerungen werden sollten, so wird er sich vielleicht später an das Glücksgefühl erinnern, das wir ihm beim Eintauchen in die Welt der Geschichten vermittelt haben.

Erinnerungen speichern mit dem Online-Babytagebuch

In unserem Online-Babytagebuch, das wir extra für unsere Sohn entwickelt haben, halten wir solche Gedanken schon heute fest, genau wie jede Menge Schnappschüsse und Kindermund-Sprüche. Eben weil man sich an die ersten Lebensjahre kaum erinnert, aber auch, weil man als Erwachsener Vieles wieder vergisst, möchten wir, dass unser Sohn weiß, was wir mit im Alltag erlebt haben. Wir freuen uns darauf, ihm das Tagebuch mit all den Fotos und Geschichten eines Tages zu zeigen. Als wir aus dem Babytagebuch unser erstes Fotobuch gedruckt haben, waren wir einfach überwältigt, was wir schon alles mit unserem kleinen Schatz erlebt haben ...

Unser Online-Babytagebuch kannst auch du nutzen. Wir haben es Ich will ein Pony getauft :-) Schau doch mal vorbei! Du kannst es individualisieren (zum Beispiel mit einem eigenen Foto als Hintergrund), und es natürlich, genau wie wir, als Fotobuch drucken.

Klingt das gut für dich? Hast du Lust, dein individuelles Online-Babytagebuch bei Ich will ein Pony auszuprobieren? Damit du es in Ruhe testen kannst, gibt es im ersten Monat die Geld-zurück-Garantie, ohne Wenn und Aber. Wir sind gespannt, wie es dir gefällt!

Au ja! Mehr erfahren

Was wollt ihr euren Kindern weitergeben? Wie wichtig sind euch eure Erinnerungen? Schreibt mir!

Verfasst von: Imme
profil imme rund transparent

Imme ist Gründerin von Ich will ein Pony.
Schreib ihr an imme@ich-will-ein-pony.de.

Gut? Mehr!

Hat dir der Artikel gefallen? Wenn du uns per E-Mail folgst, senden wir dir eine Nachricht, wenn wir etwas Neues geschrieben haben. Klingt gut? Dann sei dabei!

Folge uns per E-Mail